Wir lagen vor Warnemünde und hatten die Pest an Bord!
Das hat heute morgen der lang herbei gesehnte Volvo-Schrauber Ronny bestätigt. Nachdem uns die Steuerbordmaschine vorgestern bei starkem Wellengang in Verdrängerfahrt plötzlich in Stich gelassen hat, konnten wir den Fehler schon einigermaßen eingrenzen, aber erst der Ausbau bzw. Austausch sämtlicher Dieselfilter bringt die Gewissheit.
Dass der Filter total am Ende und zugesetzt ist, hat ja schon mein Captain erkannt. Aber als heute beim Überprüfen des Stb-Filtergehäuses nach Wasseransammlung dieser glibbrige schwarze Sumpf zum Vorschein kommt, bekommen wir alle einen Schreck.
Ebenso zeigt sich, dass das Sieb am Steigrohr fest verstopft ist und sich erst mit dem Trick der Fahrradluftpumpe wieder freiblasen lässt.
Aber wie sieht’s denn dann in der Backbordmaschine und ganz zu schweigen im Tank aus?
Die Backbordmaschine sieht etwas besser aus, das war unser Glück im Unglück. Wer weiß wie lange das noch gut gegangen wäre.
Dann steht die Tankinspektion bevor: auch hier Entwarnung, die noch etwa 300 Liter Diesel im Tank sehen gut und klar aus – also keine fortgeschrittene Dieselpest! Vorsichtshalber gibt es eine Schockbehandlung des Tankinhaltes mit ‚Grotamar®‘, damit eventuell weitere vorhandene Bakterien sofort abgetötet werden … Uns fällt ein Stein vom Herzen.
Für die Zukunft heißt das, bei jedem Tanken dieses Additiv zugeben und wenn möglich den Bootsdiesel ‚CARE‘ tanken, ohne den staatlich festgelegten 7% ‚Bio‘-Anteil, der Nährboden für Mikroorganismen ist. Die Krux an der Dieselpest ist, dass sie lange Zeit unbemerkt im Tank vor sich hinschlummert. Erst dann, wenn bei starkem Wellengang der Dieseltank einmal so richtig „aufgemischt“ wird, gelangt die klebrige Masse in Reichweite des Ansaugstutzens der Kraftstoffleitung und wird somit weitertransportiert in Richtung Kraftstofffilter, der sich dann logischerweise auch völlig zusetzt.
Genau das war bei uns passiert. Zum Glück kam es nicht zum Totalausfall beider Maschinen …
Der Monteur geht von Bord, wir beschließen ‚klar Schiff‘ zu machen und gleich heute ein Stück weiterzufahren. Schon nach wenigen Minuten: erneut Alarmton an Steuerbord.
HILFE, jedoch nach erneutem Starten der Maschine und kleiner Testfahrt vor der ‚Hohen Düne‘ scheint alles ok zu sein. Die Gleitfahrt ist seeeehr holprig, Wellenhöhe 0,4 – 0,5m, Wind (3 Bft) gegen uns (SW) – das Maximum, was wir ertragen können! Aber wir beißen das durch und die Maschinen geben ihr ok. Selbst Kühlungsborn nach 27 km lassen wir backbord liegen und steuern die Marina Boltenhagen – ‚Weiße Wiek‘ ***** – in der Wismarbucht an. Äußerst erleichtert laufen wir in den Yachthafen ein, kurz danach beginnt der Regen. ALLES RICHTIG GEMACHT!
Typisch: eine halbe Stunde nach dem Anlegemanöver – Windstille, Friede, Freude, Eierkuchen im Hafen:)

